Rückblick Wirtschaftstag 2016

Deutschland verändert sich - Perspektiven für den Mittelstand

Volksbank Mittelhessen besucht Wirtschaftstag 2016


Mit 60 Unternehmern und Firmenkunden besuchten Vertreter der Volksbank Mittelhessen den Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken 2016. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Deutschland verändert sich – Perspektiven für den Mittelstand“.


In der ausgebuchten Jahrhunderthalle in Frankfurt diskutieren hochrangige Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Mit Spannung erwarteten die Teilnehmer die Reden der Top-Referenten dieses Tages. In der Frankfurter Jahrhunderthalle diskutierten neben dem Bundesfinanzminister, Siemens-Vorstandsvorsitzender Kaeser, Grünen-Vorstand Özdemir und Drogerie-Chef Roßmann.

Europa kommt in Punkto Sicherheit und Digitalisierung eine besondere Rolle zu. Dafür gelte es, die Bindung der Menschen an Europa zu stärken, so Bundesfinanzminister Schäuble. Den Plänen einer europaweiten Einlagensicherung erteilt Schäuble erneut eine Absage. Bei der Bankenregulierung ist es notwendig, für die kleinen und mittleren Geldinstitute spezifische Lösungen zu finden.

Europa befinde sich aktuell in einer Krise. Dabei wollen die Menschen, trotz aller Ängste, ein vereintes Europa, so Schäuble. Es gelte daher, die Bindung der Menschen zu Europa zu stärken. Die Kritik an der Staatengemeinschaft beziehe sich nach Ansicht des Ministers im Kern nicht allein auf die EU, sondern gelte der Globalisierung insgesamt und spiegelt das Gefühl der Menschen, mit dem Tempo der Digitalisierung nicht mehr Schritt halten zu können, wider. Wichtig für Europa sei die Erkenntnis, Probleme nur gemeinsam lösen zu können. Zudem sei beim Thema Digitalisierung ein europäischer Markt notwendig. Einzelne Staaten seien dafür nicht schlagkräftig genug.


Digitalisierung und FinTechs im Mittelstandsbanking
Positiv bewertete der Präsident des Genossenschaftsverbands, Michael Bockelmann, die von der EU-Kommission angekündigten Erleichterungen bei Mittelstandskrediten und dass weite Teile des Mittelstands die Chancen der Digitalisierung aktiv nutzen und immer stärker auf Angebote der Volksbanken Raiffeisenbanken zurückgreifen. Für die mittelständischen Banken gelte es, nicht jede, aber die besten Innovationen der FinTech-Branche aufzugreifen. Als Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung solcher Innovationen nannte Bockelmann die Bezahlsysteme PayDirekt und Girocard mobile, die Kunden deutsche Datenschutzstandards bieten. „Die meisten FinTech-Unternehmen werden scheitern. Doch die, die überleben, verändern die Welt“, sagt Siemens-Chef Kaeser zu den Folgen der Digitalisierung für Banken.

Industrie 4.0
Ein maßgeblicher Treiber der Veränderung im Mittelstand ist die Digitalisierung. Wie Deutschland auf die Digitalisierung reagiert, entscheidet über die Zukunft der Nation. Davon ist Siemens-Chef Joe Kaeser überzeugt und zeigt sich optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft diese Herausforderung meistern werde. Im Zeichen von Industrie 4.0 spielt die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. Als besonders innovativ und kreativ erwiesen sich dabei inhabergeführten Unternehmen. Daher gelte es, diese Eigentümer- und Innovationskultur auch in die Großunternehmen zu integrieren. Die Maxime im Hause Siemens laute folgerichtig: „Handle so, als wäre es dein eigenes Unternehmen“. Nicht die größten und auch nicht die schnellsten Unternehmen würden überleben und den Wandel gestalten, sondern diejenigen, die sich am besten an die sich immer rasanter ändernden Bedingungen anpassten.

Die Stärken von Industrie und Handwerk sowie die hohe Reputation von „Made in Germany“ seien gute Voraussetzungen, so Kaeser. Wir müssen nicht ins Silicon Valley fahren, um zu sehen, wie Start-ups funktionieren. „Es gab in Deutschland schon eine Gründungskultur, als es im Silicon Valley noch nicht einmal Garagen gab“, sagte Kaeser.

Menschenrechte und Wirtschaft nicht voneinander trennen
Schäuble plädierte ferner dafür, im Umgang mit Russland und der Türkei Klartext zu sprechen. „Wir dürfen Menschenrechte und Wirtschaft nicht voneinander trennen“, so Schäuble und verweist auf die Präambel des Grundgesetzes. Demnach verpflichten sich die Deutschen dem Frieden zu dienen. Dies habe heute nicht an Aktualität verloren.

Weitere Themen des Wirtschaftstags 2016
Cem Özdemir, Ko-Vorsitzender Bündnis90/Grüne, Bestsellerautorin und Polizistin Tania Kambouri und Dirk Roßmann, Chef der gleichnamigen Drogeriekette diskutierten zum Thema Integration. Die Konsequenzen der US-Präsidentschaftswahlen wurden von Bernhard Mattes, Chef der Ford-Werke und President American Chamber of Commerce in Germany, sowie von dem Berlin-Korrespondenten des Wall Street Journal, Anton Troianovski näher beleuchtet und zum Thema Digitalisierung, Unternehmensgründung und Perspektiven für den Mittelstand sprachen Anna Alex, Gründerin und Geschäftsführerin der Outfittery GmbH, und Dr. Carsten Linnemann, Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung.

Mit einem gemeinsamen Abendessen ließ die Gruppe der Volksbank Mittelhessen den interessanten Tag ausklingen.