Frankfurter Wirtschaftstag 2014

- ein Rückblick

Gemeinsam mit 75 Firmenkunden besuchten Vertreter der Volksbank Mittelhessen am 06. November den diesjährigen Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der mit rund 2500 Teilnehmern eines der größten Unternehmertreffen seiner Art ist. Unter dem Motto „Wachstum, Werte, Weltmarkt: Leistungsträger Mittelstand“ standen die aktuellen Wachstumsaussichten ebenso im Mittelpunkt wie die strategischen Herausforderungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Mit Spannung erwarteten die Teilnehmer die Reden der Top-Referenten des Tages.

Das von Bundesfinanzminister Schäuble angekündigte Zehn-Milliarden-Infrastrukturprogramm solle einer zu geringen Investition in die Infrastruktur und einer ebenfalls geringen Nettoinvestitionsquote in den Betrieben entgegenwirken. Das Ziel der „schwarzen Null“ im Haushalt sei dadurch nicht gefährdet, betonte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Zudem unterstrich der SPD-Politiker, Investitionen in Europa und den Euro seien Investitionen in die Zukunft Deutschlands. Um den Fachkräftemangel, der sich vor allem im Mittelstand bemerkbar mache, abzubauen, sei es notwendig, wieder eine Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung herzustellen. Weiterhin warnte Gabriel vor der Illusion, Deutschland könne gleichzeitig aus der Kernkraft und der Kohle aussteigen. Wichtig seien Versorgungssicherheit und akzeptable Preise.

„Grünes Fliegen“ erfordert radikal neues Denken

Dr. Tom Enders, CEO der Airbus Group, hat in der EU einen „neuen Geist“ ausgemacht. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit habe jetzt einen höheren Stellenwert als früher. Ein wichtiges Thema bleibe die Reduzierung von Fluglärm und Emissionen. „Grünes Fliegen“ erfordere radikales neues Denken. Innovationen seien ohne Risiken nicht möglich.

Krise hat EU auseinander getrieben

In seinen „Denkanstößen“ kritisierte Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, den britischen Premierminister Cameron, der in Brüssel stets mit Blick auf das heimische Publikum auftrete. Damit führe der Regierungschef sein Land aus der EU. Die Stärke Europas sei aber seine Einheit und nicht die Zwietracht. Die Krise habe die EU auseinandergetrieben.

Wachstum als „Mutter der Gerechtigkeit“

Zu Beginn des Wirtschaftstags hatte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, den aktuellen Streik der Lokführer scharf kritisiert. Der DGB-Chef plädierte nachdrücklich für das Prinzip „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“. 

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, warnte davor, die Leistungsträger in der Gesellschaft immer stärker zu belasten. „Gerechtigkeit lässt sich nicht durch Umverteilung herstellen“, betonte der Verbandschef. Langfristig ausgerichtetes Wachstum sei „die Mutter der Gerechtigkeit“.

Digitalisierung als Tsunami

Die dynamische Digitalisierung komme einem Tsunami gleich, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland, Martina Koederitz. „Die Frage ist, ob wir diesen Tsunami wie eine Schnecke reiten oder wir einen Hengst“. Die sogenannte Industrie 4.0 bezeichnete Koederitz als besondere Chance für Deutschland.

Der frühere hessische Ministerpräsident und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Bilfinger SE, Roland Koch, stellte fest, die Parteiprogramme würden von den Bürgern mehr und mehr danach beurteilt, welche Gefahren sie für die Wähler bergen. Koch diagnostizierte „eine Flucht vor Veränderungen“ in Deutschland, obwohl das Land „gigantische Chancen“ habe, wenn es bereit sei, diese Veränderungen anzunehmen.

Mit einem gemeinsamen Abendessen ließ die Gruppe der Volksbank Mittelhessen den interessanten Tag ausklingen.

 

Impressionen der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie.