Rückblick: Sinkflug oder Durchstarten?

"Konjunkturprognose aus erster Hand"

Der Volksbankvorstand Rolf Witezek hieß rund 200 Unternehmer- und Firmenkunden im Gießener Forum Volksbank willkommen. Die Resonanz auf die Einladung war groß, denn viele unternehmerisch tätige Kunden treibt derzeit eine Frage um: In welche Richtung steuert die weltweite Konjunktur? Um diese Frage zu beantworten, hatte die Volksbank Mittelhessen namhafte Referenten und Experten geladen. Moderator Jens Fürbeth begrüßte unter anderem Peter Gerber, CEO der Lufthansa Cargo AG, Dr. Frank Engels, Konjunkturexperte und Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Privatfonds GmbH auf dem hochkarätig besetzten Podium, sowie Eintracht Frankfurt Vorstandsmitglied Oliver Frankenbach im Publikum.

Das Podium v.l.n.r.: Volksbankvorstand Rolf Witezek, Oliver Frankenbach, Peter Gerber, Dr. Frank Engels und Moderator Jens Fürbeth.

Nach Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs mehren sich die Anzeichen konjunktureller Rezession. In den Nachrichten hagelt es Gewinnwarnungen, während der EZB kaum noch Handlungsoptionen zur Verfügung stehen. Konflikte und Handelskriege belasten die Wirtschaft, der Brexit steht unmittelbar vor der Tür und das europäische Schuldenproblem ist nach wie vor ungelöst. Doch steht nach Meinung von Dr. Frank Engels kein konjunktureller Sinkflug bevor, eher eine holprige Landung. In seinen Ausführungen zeigte er sich überzeugt: Das wirtschaftliche Wachstum im Euroraum und weltweit werde schwächer, eine echte Rezession sei dagegen eher unwahrscheinlich. Seiner Meinung nach werden die Notenbanken dennoch dauerhaft an der ultralockeren Geldpolitik festhalten. Dies auch vor dem Hintergrund fehlenden Inflationsdruckes sowohl in den USA als auch im Euroraum. Das Trendthema schlechthin gewinnt auch bei der Union Investment im Jahr 2019 weiter an Bedeutung. Nicht nur Klima-Aktivisten wie Greta Thunberg, auch der massive Anstieg von Naturkatastrophen und deren wirtschaftlicher Schaden, lenken den Fokus auf die Nachhaltigkeit. Der Nachhaltigkeitsaspekt wird daher neben Rendite, Laufzeit und Risiko immer mehr zum wichtigen Entscheidungskriterium bei der Geldanlage. So habe sich auch das Volumen nachhaltiger Geldanlagen bei der Union Investment seit 2014 versechsfacht.

Peter Gerber schlug mit seinem Vortrag in eine ähnliche Kerbe. So blickt auch die Luftfrachtbranche auf Jahre stetigen Wachstums zurück. Doch angesichts der globalen Wirtschaftskonflikte steige die Unsicherheit. So zeige beispielsweise der Handelsstreit zwischen den USA und China deutliche Effekte auf das transportierte Volumen chinesischer Luftfrachtexporte. Global betrachtet profitiere seine Branche jedoch davon, dass das weltweit gestiegene Einkommen breiter Bevölkerungsschichten den Konsum antreibe. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen der Konsumenten drastisch verändert. Am Beispiel des „Fidget-Spinner“ und dem nur kurz grassieren Hype rund um das Spielzeug, zeigte er auf, dass den Unternehmen immer weniger Zeit für die Vermarktung bleibe. Ein deutliches Argument für die teure, aber eben schnelle Luftfracht. Auch Gerber hob hervor, dass nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln gegenüber der Umwelt und den Mitmenschen weltweit an Bedeutung gewinne. Der verbreiteten Annahme, die Luftfahrt sei der größte Klimafeind, stellte sich Gerbe mit konkreten Zahlen entgegen. Nur 2,83 Prozent der globalen CO2-Emissionen gehen laut Gerber auf die Luftfahrt zurück.

Peter Gerber, CEO der Lufthansa Cargo AG

Gemeinsam mit Volksbankvorstand Rolf Witezek und Moderator Jens Fürbeth, Bereichsleiter Gewerblicher Mittelstand, ging es auf dem Podium anschließend in medias res. Die Runde diskutierte insbesondere über die direkten Auswirkungen der wirtschaftlichen Verwerfungen an den Weltmärkten auf mittelhessische Betriebe und den regionalen Mittelstand. Volksbankvorstand Rolf Witezek: „Unsere heimischen Unternehmen haben in den letzten Jahren gute Zahlen geschrieben, die Bilanzen sind solide. Auf unsere Empfehlung hin haben viele Unternehmen Kapital gebildet. Die Unternehmer haben den Mut, den kommenden Herausforderungen zu begegnen.“

Wie zum Beispiel das sportliche Aushängeschild der Region, die Eintracht Frankfurt, letztlich ebenfalls ein mittelständisches Unternehmen. „Wir nutzen derzeit unsere gute wirtschaftliche Lage, um infrastrukturell zu wachsen, investieren viel Geld in den Nachwuchs-Campus oder die Stadioninfrastruktur“, erläuterte Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach. Er schilderte, dass die aktuelle Situation der Fußball AG derzeit wenig von konjunkturellen Schwankungen betroffen sei, da sich die sportlich erfolgreichen letzten Jahre auch wirtschaftlich bemerkbar machen und so Raum für Investitionen geben.

Jens Führbeth, Volksbank Mittelhessen im Gespräch mit Oliver Frankenbach, Vorstandsmitglied Eintracht Frankfurt

Mit den Veranstaltungen und Vorträgen des MittelstandsKollegs zeigt die Volksbank Mittelhessen unternehmerisch tätigen Kunden wichtige Trends und mögliche Handlungsalternativen auf. Ziel der Initiative ist es zudem, den Unternehmern der Region eine Plattform persönlichen und fachlichen Austausches anzubieten. Denn die Herausforderungen, denen sich die Firmenkunden im wirtschaftlichen Umfeld stellen müssen, werden zunehmend komplexer. Die Veranstaltungen des MittelstandsKollegs sollen Impulse und Entscheidungshilfen geben, die sowohl für strategische Planungen als auch in der täglichen Praxis anwendbar sind.