Fallbeispiel: MUSIK MEYER

Interview mit Reinhard Estor zum Thema Digitalisierung und Sicherheit im Internet

Wir sprachen mit Reinhard Estor, Geschäftsführer der Firma MUSIK MEYER in Marburg, zu den Themen Digitalisierung und Sicherheit im Internet.

In seinem konkreten Fall traff ihn erst kürzlich das Thema Cyber-Kriminalität. Dank der guten Geschäftsbeziehung mit der Volksbank Mittelhessen konnte allerdings ein immenser Schaden von seinem Unternehmen abgehalten werden. Lesen Sie mehr zu seinen Erfahrungen.

Reinhard Estor, Geschäftsführer Musik Meyer (© Reinhard Estor)

1. Herr Estor, beschreiben Sie bitte in zwei bis drei Sätzen Ihr Unternehmen und Dienstleistungsangebot.

Seit über 65 Jahren ist MUSIK MEYER die deutsche Topadresse für den Exklusivvertrieb von Musikinstrumenten und Zubehör in Europa. Unsere Kernkompetenz besteht im Aufbau von Marken sowie in der Vermarktung von Premium-Produkten weltweit führender Hersteller.

Wir zählen rund 2.500 Fachhändler und Vertriebe aus ganz Europa und mehr als 50 nationale und internationale Lieferanten zu unseren Partnern.

Die MUSIK MEYER GmbH ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen und beschäftigt aktuell 190 Mitarbeiter am Hauptsitz in Marburg.

 

2. Mit welchen Herausforderungen sehen Sie derzeit Ihre Branche konfrontiert? Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?

Die gesamte Musikinstrumenten-Branche bewegt sich in einem schwierigen Marktumfeld.

Bis in die 90er Jahre hinein verfolgten viele Musik-Fans leidenschaftlich das Ziel, selbst ein Instrument zu erlernen und professionell Musik zu machen. Heute erleben wir eine andere Welt: Smartphones, Apps und Musik-Streaming-Dienste sind angesagt. Zudem fehlt es aus meiner Sicht bereits in der frühkindlichen Phase bis in die Schulzeit hinein an musikalischer Erziehung. Die Folge ist, dass die Musikbranche immer weniger Nachwuchs verzeichnet.

Eine weitere Herausforderung sind digitale Anbieter, wie Amazon, die den stationären Einzelhandel in der Musikbranche massiv unter Druck setzen. Hinzu kommt die Problematik der ungeklärten Unternehmensnachfolge – sowohl auf Seite der Einzelhändler als auch auf Seite der Lieferanten.

 

3. Mit der zunehmenden Digitalisierung unserer Gesellschaft, wächst natürlich auch das Risiko krimineller Angriffe im Netz. Kürzlich traf das Thema Cyber-Kriminalität auch Ihr Unternehmen. Können Sie uns kurz den Vorfall schildern?

Für uns ist es unerlässlich, im Zeitalter der Digitalisierung unsere Sicherheitssysteme permanent auf dem neuesten Stand zu halten und zu überwachen. Eine 100-prozentige Sicherheit wird es dennoch nie geben.

Der Cyber-Kiminalfall begann zunächst mit mehreren gezielten telefonischen Auskunftsersuchen in unserer Zentrale und in unseren Fachabteilungen.

Daraufhin wurde der dienstliche E-Mail Account des Geschäftsführers gehackt und in dessen Namen E-Mails mit konkreten Zahlungsanweisungen an die entsprechend zuständigen Stellen gesendet. Gleichzeitig nahm eine Person, die sich als Rechtsvertreter einer durch uns beauftragten großen Kanzlei ausgab, den Kontakt zu den Kollegen auf und forderte die Auslösung einer SWIFT Eilt-Zahlung zwecks eines Unternehmenskaufs.

Die zuständige Stelle forderte infolge dessen eine schriftliche Bestätigung der empfangenen Zahlungsaufforderung seitens des Geschäftsführers an. Diese erfolgte umgehend. Anschließend wurde die Zahlung via Online-Banking bei der Volksbank Mittelhessen angewiesen.

Die Geschäftsleitung erhielt dann von der Bank eine Bestätigung des Auftrags an die dort hinterlegte private E-Mail-Adresse.

Der gesamte Vorfall spielte sich in einem sehr engen Zeitfenster ab und unsere Kollegen wurden psychologisch massiv unter Druck gesetzt. Am späten Nachmittag dann, nahm der Geschäftsführer über seinen privaten E-Mail-Account Kenntnis von der Sachlage.

Dank der sehr guten Geschäftsbeziehungen zur Volksbank Mittelhessen ist es den Verantwortlichen gelungen, außerhalb der Geschäftszeiten am späteren Abend den Zahlungsauftrag zu stoppen und damit einen immensen finanziellen Schaden von unserem Unternehmen abzuwenden.

 

4. Welche vorsorglichen Maßnahmen haben Sie daraus für Ihr Unternehmen abgeleitet? Welche Rolle spielt dabei für Sie ein spezieller Versicherungsschutz? Wie kann die Volksbank Mittelhessen Sie in diesem Zusammenhang unterstützen?

Die innerhalb der MUSIK MEYER GmbH bestehenden umfangreichen Sicherheitsmechanismen wurden auch bei unserer Holdinggesellschaft aktiviert.

So müssen ab sofort alle Zahlungsaufträge über ein 4-Augenprinzip und eine handschriftliche Unterfertigung durch Verfügungsberechtigte freigegeben werden. Zahlungsanweisungen via E-Mail kommen grundsätzlich nicht mehr zur Ausführung.

Eine Absicherung gegen solche Vorfälle ist uns sehr wichtig und die Vielfalt an Versicherungsleistungen ist groß. Dennoch verbleiben für das Unternehmen hohe Selbstbehalte, um eine für uns akzeptable Versicherungsprämie zu erzielen.

 

5. Als Partner des regionalen Mittelstands zeichnet sich die Volksbank Mittelhessen insbesondere für Ihr ganzheitliches Beratungs- und Dienstleistungsangebot aus. Wie haben Sie die bisherige Zusammenarbeit mit der Volksbank Mittelhessen erlebt? Wie wichtig ist Ihnen insbesondere mit Blick auf den oben geschilderten Vorfall eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe?

Eine persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Bank ist sehr viel wert und für uns von größter Bedeutung. Nur so konnten wir in diesem Fall das bereits unmöglich Geglaubte mit Unterstützung der Volksbank Mittelhessen möglich machen.